Eingeläutet wird die eigentliche Karwoche durch den Palmsonntag, wobei die Palmweihe mit den immergrünen Zweigen des Buchsbaumes den Höhepunkt bildet. „Dä Palm“ wird dann als Heilszeichen zu allen möglichen Anlässen wie als Hilfe gegen Misswuchs, Blitz- und Hagelschlag, gegen Krankheiten bei Mensch und Vieh, im Haus oder auch als Zeichen der Hoffnung auf Gräbern benutzt.
Die Karwoche selbst ist voller Symbole, so liefert sie auch volkstümliche Hinweise auf das Wetter, da Frost eine gute Ernte vermuten lässt. Besonders wichtig ist die Witterung in der Nacht vom Gründonnerstag zu Karfreitag. Reif oder Frost signalisieren das Ausbleiben der gefürchteten Frühjahrsfröste “an den Drei Eisheiligen“.
Der Gründonnerstag mit einer feierlichen heiligen messe und der Fußwaschung als Erinnerung an die letzte Abendmahlsfeier von Jesus in Jerusalem im Kreise seiner Jünger. Nach dem Gloria verstummen die Glocken und die Altarschellen, wobei die Glocken zum Papst fliegen, so sagt es die Überlieferung. Apropos Ostereier: Die an diesem Tag gelegten Eiweißspender sollen besonders gute Bruteier sein, aus denen später fruchtbare Legehennen entschlüpfen. Die Bezeichnung Gründonnerstag hat mit der Farbe grün nichts zu tun, sondern kommt von „greinen“. Der Karfreitag selbst ist als strenger Fasttag der Höhepunkt der langen Fastenzeit. Es ist ein Tag der Stille und der Ruhe im Gedenken an den schrecklichen Sklaventod von Jesus Christus am „grünen Holz“, am Kreuz- Es folgt der Karsamstag als „Tag der Grabesruh“. Nach der Liturgiereform wird dann in den Abendstunden nach der feierlichen Segnung von Feuer und Wasser die Osternachtsmesse gefeiert mit der Osterkerze und dem Osterfeuer, dass vorher vor der Kirche entfacht wird. Die Kohlen dieses gesegneten Feuers besitzen eine besondere Kraft. Es wird daraus ein Wachsdocht entflammt und damit die Osterkerze angezündet, wobei diese als abwehrkräftig gegen teuflische Machenschaften und Ränke gilt. In der Kirche wird dann das Weihwasser für das Taufbecken und für die Gläubigen für Haus und Hof geweiht und anschließend mit nach hause genommen. Dann das beliebte Osterei, dass von alters her immer schon als Zeichen der Fruchtbarkeit und des Lebens galt, bekannt bei vielen Kulturen der Erde. Früher gab es sogar Eierabgaben, Eiergeschenke, Zins-, Beicht- und Klappeier anstelle des heutigen Geldes, was nicht nur früher knapp war. Vermutlich entwickelte sich das Eierschenken laut einem alten Beleg aus dem mittelalterlichen Köln im klösterlichen Bereich. Auch im Bistum Trier gibt es den Ostereierbrauch bereits seit dem 17. Jahrhundert, so hatten die Küchenmeister der Trierer Abtei „St. Marien zu den Märtyrern“ bereits im Jahre 1757 insgesamt 300 Eier mit einem „bunten Außenputz“ versehen. Der roten Farbe, christlich die Farbe der Siegesfahne des Auferstandenen, schrieb man eine besondere Schutz- und Lebensfunktion bei. Der heute so beliebte Meister Lampe ließ sich erst sehr spät sehen, da eine Beziehung zwischen Hase und Osterei nur auf den zweiten Blick zu erkennen ist. Natürlich bereitete es auch den modernen Eltern viel Vergnügen, gemeinsam mit ihren Kindern auf Ostereiersuche zu gehen. Dann gehen die Kinder ab Gründonnerstag bis zur Auferstehungsmesse „klappern“, da die Glocken dann nach Rom geflogen sind.
Dieses Klappern, auch in unserem Dorf, ein uralter und mittlerweile wieder beliebter Brauch, ersetzt schließlich das Läuten und sagt den Mitbürgern, dass die Mittagszeit angebrochen ist.
(Heinz Kugel, Lieg)
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